Pflege-Aktuell 2022

 

 

++ Landkreis Rotenburg veröffentlicht ersten örtlichen Pflegebericht ++ Pflegepersonal deutschlandweit gesucht ++

 

 

 

Wie ist die aktuelle Situation bei Pflegebedürftigen, Pflegepersonal und pflegenden Angehörigen im Landkreis ROW? Welche Pflegeangebote können genutzt werden? Einen Überblick darüber gibt der erste örtliche Pflegebericht des Landkreises.

 

 

 

Die erhobenen Zahlen bieten eine Grundlage, die strategischen Handlungsfelder zu definieren. Eine Arbeitsgruppe aus Politik und Verwaltung wird dazu ein strategisches Handlungskonzept erstellen. Mit der Erstellung des Berichts wurde ein externes Fachinstitut beauftragt. Es wurden statistische Daten ausgewertet und die lokalen Akteure im April 2022 zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Bereich Pflege befragt. Das Ziel war, auf Basis der vorhandenen statistischen Daten eine

 

Bestandsaufnahme zu erhalten.

 

 

 

Zahlen Pflegebedarf

 

 

Im Landkreis haben rund 8.400 Menschen beziehungsweise fünf Prozent der Einwohner und Einwohnerinnen des Landkreises einen festgestellten Pflegebedarf. Der mit 56 Prozent größte Teil von ihnen wird zu Hause von Angehörigen gepflegt. Circa 23 Prozent werden vollstationär versorgt und 21 Prozent erhalten eine ambulante Pflege. Dabei ist festzustellen, dass seit 2011 eine deutliche Zunahme der Anzahl der Menschen mit

 

festgestelltem Pflegebedarf zu verzeichnen ist. Mit etwa 2.500 Beschäftigten ist der Bereich der professionellen Pflege als Arbeitgeber ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor.

 

 

 

Ergebnisse

 

 

Die Zahlen zeigen, dass die Pflegesituation im Landkreis zurzeit – noch – gut ist. Bis 2025 werden aber 480 stationäre Pflegeplätze und circa 900 Pflegefachkräfte fehlen.

 

Damit steht der Landkreis in Deutschland nicht allein da, die demografische Entwicklung ist einer der Gründe, warum sich die Lage noch weiter verschärfen wird. Schon jetzt ist festzustellen, dass im Landkreis

 

Angebote, Plätze und Personal im Bereich der ambulanten Pflege fehlen.

 

Die Ergebnisse der Befragung zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen, dass viele der bereits vorhandenen Probleme nochmals verstärkt wurden.

 

 

 

Herausforderungen

 

 

Die größte Herausforderung der kommenden Jahre besteht darin, den zusätzlichen Bedarf durch einen Ausbau der Pflegekapazitäten bei gleichzeitigem Personalmangel zu de-cken. Eine Verlagerung in ambulante Strukturen, die bundesweit zu beobachten ist, scheint dabei schwierig, da die ambulanten Pflegedienste im Landkreis teilweise bereits an der Belastungsgrenze angelangt sind.

 

 

 

Weiteres Vorgehen

 

 

Der örtliche Pflegebericht richtet sich in ers-ter Linie an die Politik im Kreistag und

 

Sozialausschuss, die Kreisverwaltung und die Fachöffentlichkeit. Er wurde bereits in der letzten Sitzung des Sozialausschusses vorgestellt. In einem nächsten Schritt werden Politik und Verwaltung gemeinsam die strategischen Handlungsfelder in einer Arbeitsgruppe bewerten und priorisieren sowie ein strategisches Handlungskonzept erstellen. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe sollen regelmäßig im Ausschuss vorgestellt und diskutiert werden.

 

Der vollständige Pflegebericht ist auf der

 

Internetseite des Landkreises www.lk-row.de unter dem Suchbegriff „Pflegebericht“ zu finden.

 

 

 

Pflegepersonal gesucht

 

 

Es ist kein neues Problem, aber es wird immer schlimmer: Pflegepersonal wird deutschlandweit händeringend gesucht. Die Corona-Krise hat die ohnehin hohe Arbeitsbelastung von Beschäftigten in der Pflege noch mal erhöht. Zugleich hat die Krise gezeigt, welche Ressourcen aktiviert und entwickelt werden können, um Krisen auf Einrichtungs- und Unternehmensebene zu bewältigen und die Gesundheit von Beschäftigten zu erhalten. „Als wir uns 2019 zum ersten Mal mit der Projektidee befasst haben, war noch keine Rede von einer Pandemie“, sagt Carola Bury, Referentin für Gesundheitspolitik der Arbeitnehmerkammer bei einer Vortragsveranstaltung zur Untersuchung „Gemeinsam stärker! Betriebliche Unterstützungsstrukturen für Beschäftigte in der Langzeitpflege“. Auch da schon sei die Belastung durch Personalmangel hoch gewesen. Cora Zenz, wissenschaftliche Mitarbeiterin, und Dr. Guido Becke vom Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) haben die Untersuchung dann unter den Bedingungen der Corona-Krise aktualisiert und die Situation in der Langzeitpflege unter die Lupe genommen.

 

 

Die Erhebung sollte die betrieblichen Handlungsmöglichkeiten und deren Umsetzbarkeit aufzeigen. Dienstplangestaltung sei ein großes Thema bei den Befragten sowie auch die zu große Diskrepanz zwischen Beruf und Privatleben. Die Umfragen haben ergeben, dass die fehlende Verlässlichkeit von Dienstplänen ebenfalls ein Kernaspekt sei, ebenso sei die wertschätzende Kommunikation von Seiten der Führungskräfte wichtig, wie auch ein stabiles Team mit wenig Fluktuation. Als Kernaufgaben der Einrichtungen stellt sich heraus, dass Führungskräfte ansprechbar sein müssen und als Vorbilder fungieren sollten, fasst Cora Zenz zusammen. Dabei stehen sie vor dem Spagat, auf den Fluren Präsenz zeigen zu müssen, ohne als Überwacher der Arbeit wahrgenommen zu werden. Überlas-tungen sollten angesprochen und gemeinsam eine Lösung gesucht werden. Außerdem könne die Leitung durch Vorsorge, Bereitstellung von Arbeitsschutz und Beratungen für Beschäftigte die Gesundheit gefördert werden. Mehr Wertschätzung von Führungskräften, mehr Zeit für eine gute Pflege, eine angemessene Bezahlung und kein Einspringen aus der Freizeit, aber auch eine betriebliche Interessenvertretung und Tarifbindung waren die Punkte, die oft genannt wurden. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Situation entspannt und dafür an den richtigen Schrauben gedreht wird. (hg)