Sonderseiten Flecken Ottersberg & Fischerhude

Flecken Ottersberg & Fischerhude

Wie die meisten unserer Leser wissen, haben wir in jeder Ausgabe Sonderseiten zu einer Gemeinde/ Ort in unserem Verteilgebiet. Diesmal gleich für zwei Orte/Gemeinden, die sehr nah beieinander liegen und sich gegenseitig befruchten: Ottersberg und Fischerhude. Wir beginnen mit Ottersberg, landen dann auf den weiteren Seiten in Fischerhude und wünschen viel Spaß bei der Lektüre.

Ottersberg: Zentral und doch ländlich
In Otterberg gibt es viel zu entdecken, wie den schlossähnlichen Amtshof, der früher eine Burg war, und bereits seit 1946 Sitz der Rudolf-Steiner-Schule ist, die das Ottersberger Leben nicht unwesentlich prägt. Im Flecken Ottersberg leben insgesamt ca. 12.400 Einwohner (Ottersberg, Fischerhude, Narthauen, Otterstedt und Posthausen) und in ca. 880 angemeldeten Gewerbebetrieben arbeiten mehr als 4.400 Menschen (Quelle: www.flecken-ottersberg.de). Viele Pendler wohnen im Flecken Ottersberg, aufgrund der schönen naturnahen Lage und der guten Verkehrsanbindung (Autobahn vor der Tür, Anbindung Deutsche Bahn Bremen–Hamburg) ist der Flecken Ottersberg als Wohnort sehr attraktiv – auch das große Angebot an Schulen und Kindergärten trägt zur Attraktivität bei. Innerhalb des Fleckens Ottersberg hat sich in den letzten Jahren der Bürgerbus Ottersberg etabliert, der alle Ortschaften mehrmals täglich anfährt. Zudem sind der Bahnhof Ottersberg und der Bahnhof Sagehorn fester Bestandteil des Fahrplanes.

„Otterbad“ bald wieder geöffnet
Ein Highlight für die großen und kleinen Bewohner der Region war schon lange das „Otterbad“, das Ottersberger Schwimmbad, das vom „E-Werk Ottersberg“ betrieben wird und nach umfangreicher Sanierung/Umbau in diesem Monat (am 25. April) wieder öffnen soll. Die vier 25-Meter-Bahnen und diverse Kursangebote sowie das separate Planschbecken (auch grunderneuert mit Wasserattraktionen etc.) für Kleinkinder, bleiben natürlich. Außer der notwendigen technischen Generalüberholung des Bades wurde auch ein modernes Kassensystem eingerichtet. Das Otterbad-Team freut sich auf die Badegäste 2022, auf www.otterbad.de, der neuen Homepage, kann man sich zu Öffnungszeiten und Kursprogrammen stets aktuell informieren.

Gemeinwohl-Ökonomie
Die GWÖ (Gemeinwohl-Ökonomie „ecogood“) wurde 2014 gegründet und beabsichtigt durch Veränderungen auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene, ein alternatives Wirtschaftssystem zu fördern, welches dem Gemeinwohl dient. In ganz Deutschland gibt es Regionalgruppen und eine solche gibt es auch in Ottersberg (in der Bremen-Gruppe).
„Gemeinwohl-Ökonomie“ bezeichnet ein Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohl-fördernden Werten aufgebaut ist, sie soll ein Veränderungshebel auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene werden und hierfür engagieren sich auch Ottersberger Bürgerinnen und Bürger wie Astrid Enger und Harald Nöding. Es geht hier um wichtige Werte wie Ethik, Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit. Auf gesellschaftlicher Ebene will die Bewegung Mut und Hoffnung machen, sie agiert unabhängig von allen wirtschaftlichen und politischen Interessengruppen und lebt vom ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder und Spenden.
Der Gründer Christian Felber („der tanzende Ökonom“/Hochschullehrer) schrieb 2010 das Buch „Gemeinwohl-Ökonomie“, das den Startschuss für die deutschlandweite Bewegung darstellt. Astrid Enger: „Mitglieder der GWÖ-Gruppe sind seit Herbst 2021 Teil der Lenkungsgrupe der Wümme-Wieste-Gesundregion. Innerhalb der dort vertretenen Gemeinden (Scheeßel, Gyhum, Ottersberg, Sottrum, Fintel und Stadt Rotenburg) wollen wir die GWÖ-Idee verbreiten. Wir sprechen die einzelnen Menschen, Unternehmen, Organisationen und Gemeinden gleichermaßen an. Wir haben viel vor und dafür brauchen wir Unterstützung. Jeder Mensch kann die Welt verändern! Und heute hat die Welt es nötiger denn je! Informationen unter https://web.ecogood.org/de/die-bewegung/regionalgruppen-und-vereine/deutschland/nord-deutschland/ottersberg.

Ein Jahr Dorfladen Bergstedt
Direkt an der Hauptstraße nach Ottersberg lag von 1884 bis 2020 der Gemischtwarenladen der Familie Bergstedt, der aus Altersgründen geschlossen wurde. Da die Otterstedter aber weiterhin im Ort einkaufen wollten, wurde 2019 die genossenschaftliche Dorfladen-Firma, die mittlerweile knapp 300 stille Gesellschafter hat, gegründet und am 11. März 2021 eröffnete der Laden nach massiven Umbauarbeiten unter neuer Regie. Das gesamte Geschäft wurde entkernt, ein neuer Holzboden wurde eingebaut, ein rollstuhlgerechter Zugang, ein Parkplatz, eine komplett neue Elektroanlage und ein neuer Sanitärbereich mussten her. All diese Arbeiten wurden mit der Hilfe von regionalen Firmen und viel Manpower der Gesellschafter zuverlässig erledigt. Hier zeigt sich erneut, dass die Zusammenarbeit von regionalen Firmen wirklich lohnend und sinnvoll ist, denn die flache Kommunikation zwischen den einzelnen Gewerken und das gute Wissen, was der andere kann und braucht, ist einem lokalen Bauprojekt sehr zuträglich.
Nach einem Jahr zeigt sich, dass das Konzept aufgeht und die Kundinnen und Kunden den Laden sehr gut angenommen haben. Das liegt wohl auch daran, dass es fast alles, was man für den täglichen Bedarf braucht, in Otterstedt gibt. Getränke, Drogerie-Artikel, frisches Brot, Kuchen, regionales Gemüse und Obst, ein Bio-Regal, Strick-Zubehör, Tiefkühl-Produkte, Milchprodukte und vor allem eine große Auswahl an Fleisch, Wurst und Käse (mit vielen regionalen Anbietern) in der „Bedien-Frische-Theke“.

Gemeindebücherei mit „Artothek“
Das zentral gelegene, alte Ottersberger Schulgebäude beherbergt seit vielen Jahren die Gemeindebücherei. Die hellen Räumlichkeiten im Erdgeschoss bieten 18.000 Medien Platz. Dort können die Besucher Romane, Kinder- und Jugendbücher, Filme, Zeitschriften und Hörbücher finden. Darüber hinaus steht auch das Angebot der „Onleihe“ mit seinen attraktiven eBooks und ePapers rund um die Uhr für virtuelle Besucher aus aller Welt zur Verfügung (www.onleihe.de). In der „Arthotek“ können echte Kunstwerke – meist Bilder regionaler Künstler – für kleines Geld ausgeliehen werden (Leihdauer von zwei Monaten bis Dauerausleihe). Hierfür gibt es einen Online-Katalog auf www.flecken-ottersberg.de/portal/katalog-der-artothek.

Problemfall Otterstedter See
Der Otterstedter See, auch „Pastorensee“ genannt, ist als Naherholungsgebiet für viele Menschen aus der Region ein gern genutztes Ausflugsziel. Es gibt einen Rundweg um den See, den auch Nicht-Wanderer mühelos schaffen, im Sommer wird an einem der drei Sandstrände gebadet sowie entspannt und auch die Gastronomie am See erwacht gerade aus dem Winterschlaf. Erst seit 1984 gehört der in einem Wochenendhausgebiet gelegene See dem Flecken Ottersberg – davor war er in Privatbesitz. Die nicht immer einwandfreie Wasserqualität des Sees aufgrund von Nährstoffüberfrachtung und Sauerstoffmangel (Blaualgen) ist ein bereits lange andauerndes Thema in der Verwaltung. Ein Strategiekonzept zur Sanierung des Sees wird aktuell erstellt, allerdings wird vor 2024 nicht mit Ergebnissen gerechnet – die Umsetzung kann dann nochmal einige Jahre dauern, sodass es auch in Zukunft sicherlich wieder Badeverbote ausgesprochen werden müssen. Sehr bedauerlich, erst recht, weil der vor zwei Jahren eingereichte Förderantrag beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft positiv beschieden wurde und nun für das Rettungsprojekt 300.000 Euro auf Verwendung warten. (hg)


Fischerhude: Ein aufblühender Ort

Das Künstlerdorf Fischerhude lockt ganzjährig viele Menschen an. Schöne Gärten mit alten Eichen, Apfelbäumen und Erlen, romantischen Gassen und reetgedeckte Fachwerkhäuser bzw. schöne norddeutsche Architektur verleihen dem Ort ein ganz besonderes Flair. Der Charakter des Dorfes wird zudem von wunderbaren Galerien bestimmt, denn Fischerhude begeisterte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Kunstschaffende.  (Beachten Sie die Rubrik "Ausstellungen" in unserem Online Veranstaltungskalender.)

Kunsthandwerk
Sehr interessant ist auch die Bertzbach Porzellan Keramikwerkstatt. Inhaberin Katharina Bertzbach arbeitet bereits seit über 20 Jahren als selbstständige Keramikmeisterin. Ihre Gefäße aus französischer Porzellanmasse sind frei gedreht, oft mit figürlichen Elementen versehen. Dabei verbindet Bertzbach eigenwillig skurrile Menschen- und Tierdarstellungen mit großzügigen, farbigen Fayencen inklusive einer klaren Formensprache. Bertzbach ist eine Keramikerin alten Stils. Sie beherrscht ihr Handwerk mit virtuoser Könnerschaft, um ihren Arbeiten eine kraftvolle Frische zu verleihen. Mit ihrer Leichtigkeit, Spontaneität sowie Fantasie bekommt jedes Gefäß eine malerische Prägung.

Sport und Feuerwehr
Fischerhude und der Nachbarort Quelkhorn gehören übrigens gewissermaßen zusammen. Denn sowohl der örtliche Sportverein TSV Fischerhude-Quelkhorn e. V., als auch die Ortsfeuerwehr Fischerhude-Quelkhorn tragen jeweils beide Orte im Herzen sowie im Namen. Und beide Institutionen sind für das gesellschaftliche Leben bzw. die Sicherheit eminent wichtig.

Otto-Modersohn-Museum
Am 9. April startet unter dem Motto „Malerei als nach vorne offene Handlung“ eine Sonderausstellung mit Werken von Willem Grimm (1904–1986) und Walter Kaiser (1899–1973). Gezeigt werden bis zum 15. Mai 20 Gemälde aus dem Bestand der Willem-Grimm-Stiftung sowie zehn Gemälde des Spätwerks von Walter Kaiser, aus Privatbesitz. Der Nachlass von Willem Grimm – ein Maler der Hamburger Sezession – wird neben anderen Nachlässen als Stiftung in der Otto-Modersohn-Stiftung erhalten und gepflegt. Es ist die erste Präsentation seiner Bilder im Otto-Modersohn-Museum. Das beherrschende Thema seiner Malerei ist über Jahrzehnte hinweg die Figur in der Verwandlung und Verkleidung.
Eine vergleichbar malerische Haltung zeigen auch die wenigen überkommenen figürlichen Bilder aus dem Spätwerk des Hamburger Einzelgängers Walter Kaiser. Selbst Eingeweihten der hanseatischen Nachkriegsmalerei ist dieser Name heute nicht geläufig. Das hat seinen Grund in den in vollständiger Zurückgezogenheit entstandenen Bildern der späten 60er- und frühen 70er-Jahre. Kaisers malerisches Vorgehen inklusive einer ständigen Infragestellung und damit Überarbeitung sich entwickelnder Bildvorstellungen, in einer Eindringlichkeit mit zuweilen destruktiver Spontaneität, führte zu reliefartiger Überlagerung der Bildschichten.

Wirtschaft
Die ortsansässige Brüning Group möchte ihre Geschäftspartner mit der Versorgung bzw. Entsorgung von energieliefernden Rohstoffen sorgenfrei machen. Sie versorgt Heizkraftwerke mit den gewünschten Brennstoffen, liefert Boden-Verbesserer und bringt mit der hauseigenen Logistik alles auf den Punkt. Neben der Einhaltung höchster Qualitätsstandards hat bei der Brüning Group die Förderung einer nachhaltigen Waldwirtschaft oberste Priorität.

Eine besondere Familie
Schon immer wollte der Fischerhuder Tobias Bertzbach Bauer werden. Und er wurde nicht nur Bauer, sondern auch Vater von sechs reizenden Kindern. Sie alle kannten ihn am besten in seiner Arbeitskluft auf dem Hof, auf dem Traktor sowie auf dem Feld. So war es für eine lange Zeit. Doch irgendwann war lange, lange genug und das Singen, das er schon immer gerne tat, inspirierte ihn zur Veränderung: Er wurde Salonsänger! Heute steht er im schwarzen Frack, gebügeltem Hemd und mit gegeltem Haar auf der Bühne. Tobias Bertzbach überrascht mit einer charmanten Erscheinung, feinen Humor und einer wunderbaren Stimme. Unterstützt wird er von Sohn Lennard Bertzbach (*1988) mit einer äußerst virtuosen Klavierbegleitung. Lennards künstlerische Karriere begann früh im Theater und bei diversen Bands. Für eine Weile arbeitete er als Schauspieler für diverse Film- und Fernsehproduktionen (u. a. „Die Wilden Kerle II“ und „Französisch für Anfänger“). Die Schlager der 20er- bis 50er-Jahre haben es Tobias und Lennard Bertzbach besonders angetan.

Milchtankstelle in Fischerhude
In der Straße „Im Pool“ in Fischerhude steht ein moderner Kuhstall mit „Kuh-Komfort“, in dem die Kühe von November bis Ende April ein trockenes Plätzchen haben, um die Milch für die durstigen Fischerhuder zu produzieren – von Mai bis Oktober stehen sie auf der Weide. Wir trafen die „Wümmemelker“ (Familie Puvogel) an ihrer Milchtankstelle, die bestens frequentiert wird und machten dort ein schönes Foto (s. o.), denn das ist „Land & Leben“. Gefüttert wird außer frischem Gras von der Weide Maissilage und Ergänzungsfutter – alles komplett gentechnikfrei. Die Milchtankstelle ist rund um die Uhr, sieben Tage die Woche geöffnet. Hier kann man eigene Gefäße befüllen oder die 1-Liter-Milchflaschen der „Wümmemelker“ erwerben, um diese dann auch weiterhin zu nutzen. Der Hof der Betreiberfamilie Puvogel „Rechtens Hof“ hat auch einiges zu bieten: Hier tummeln sich Enten, Hühner, Gänse und Ponys, auch zur Freude der Gäste der hofeigenen Ferienwohnung. Weitere Inforomationen unter www.rechtens-hof-fischerhude.de.

Heimathaus im Dorfkern
Im Dorfmittelpunkt besuchen viele Fischerhude-Gäste auch gerne das „Heimathaus Irmintraut“, das bereits seit 1934 als Heimathaus und Museum genutzt wird. Es ist ein für die Landschaft Fischerhudes typisches Zweiständerhaus für Mensch und Tier und steht auf einem Filetgrundstück nahe der Kirche (Kirchstraße 2). Das Ehepaar Schloen (Gründer und Förderer) ließ weitere Nebengebäude auf die Hofstelle umsetzen: ein Backhaus und einen Kornspeicher (Spieker), der jedoch für Wohnzwecke umgebaut wurde. Ein Bootsschuppen (Scheppschuer) erinnert daran, dass früher jeder Hof über Wasserläufe mit der Wümme verbunden war. Heu und Torf wurden zumeist auf dem Boot transportiert. Der Objektbestand des Museums spiegelt traditionelle volkskundliche Sammelinteressen des Gründerehepaares wider. Neben Sachzeugnissen aus der dörflichen Wohn- und Arbeitswelt (zumeist des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts) sind in geringerem Umfang Brauchtumsgegenstände und Trachten zu sehen. (hg/rgp)

www.bertzbachporzellan.de
www.tsv-fischerhude-quelkhorn.de | www.offq.de
www.otto-modersohn-museum.de
www.bruening-group.de
www.dieherrenbertzbach.de
www.rechtens-hof-fischerhude.de