Sittensen: Hier lässt sich’s leben

Ein positiver Blick auf die Enwicklung: Wachstum und Umbruch auf vielen Ebenen

 

Im Rahmen unserer monatlichen regionalen Sonderseiten begeben wir uns in dieser Ausgabe nach Sittensen und Gnarrenburg, um zu zeigen, wie sich das örtliche Leben verändert und berichten über viele interessante Themen aus den beiden Gemeinden.


In Sittensen wird zurzeit auf vielen Ebenen umstrukturiert. Das Rathaus soll umziehen, ein Ärztezentrum ist entstanden, Baugebiete schießen aus dem Boden und das gesamte öffentliche Leben freut sich auf die angestrebten Lockerungen und einen tollen Sommer – trotz angespannter finanzieller Situation der Samtgemeinde.


Aktuell nimmt der Streit um die Erhaltung ortsprägender Gebäude in Sittensen richtig Fahrt auf – insbesondere macht sich das am Gebäude der Alten Apotheke (siehe Abb. rechte Seite) bemerkbar, das im Rahmen der Suche nach einem neuen Standort für das räumlich zu klein gewordene Rathaus im Fokus liegt. Hier soll eventuell das neue Rathaus gebaut werden, aber viele Bürger stellen sich dagegen, jetzt auch mit einem Bürgerbegehren. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens Dr. Ralf Egge, Andrea Burfeind und Ingo Hillert wollen einen schönen Dorfplatz MIT den alten Gebäuden wahr werden lassen und fühlen sich von der Politik nicht angenommen. Die Listenkönnen aufgrund der aktuellen Situation nicht von Hand eingesammelt werden, daher wurde eine Homepage erstellt, von der alles heruntergeladen werden kann und wo das gesamte Bürgerbegehren, für das es mindestens 500 Unterschriften braucht, erklärt wird (einfach anklicken: www.pro-apotheke-sittensen.de). Die Initiatoren bitten alle Menschen, die in der Samtgemeinde Sittensen angemeldet sind, mitzumachen, denn mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten müssen mit Ja stimmen.

 

Auch auf dem Rasthof Sittensen tut sich was. Hier ist jüngst ein großes
Flüssiggas-Tanklager erbaut worden, das weithin sichtbar ist.


Zukunft Börde Sittensen e. V.


Unter dem Motto „Nicht nur reden, sondern handeln!“, hat sich der
konstruktive, parteilose Verein „Zukunft Börde Sittensen e. V.“, bestehend aus Bürgern, die zusammen etwas für ihren Ort tun wollen, gegründet und gewinnt stetig an Einfluss und Mitgliedern. Für den 11. September ist wieder ein „Entdeckerabend“ ab 17.30 Uhr geplant. Auf www.zukunftboerdesittensen.de liest man „Am Entdeckerabend ist ganz Sittensen auf den Beinen. Die Geschäfte werden länger geöffnet haben und laden zum Einkaufen ein, es gibt interessante Vorträge und Workshops sowie tolle Mitmach-Aktionen. Diese werden zu festen Zeiten angeboten, jeweils um 17.30 Uhr, um 19 Uhr und um 20.30 Uhr. Informieren Sie sich und lernen die gastgebenden Unternehmen kennen. Zwischendurch können Sie sich gratisbei der Schnittchen-Schlemmertour quer durch Deutschland stärken.“Der Verein kümmert sich auf verschiedenen Ebenen darum, das Leben in der Börde noch lebenswerter zu machen. So wurde beispielsweise im Oktober 2020 ein neuer Apfelbaum auf dem Gelände des Heimathauses gespendet, der im Vorfeld von Randalierern zerstört wurde. In verschiedenen Arbeitsgruppen engagieren sich die Mitglieder um Einfluss zu nehmen und mitreden zu können. Vorsitzende Birgit Rathjen-Stemmann: „Die Frage stellt sich, wo stehen wir jetzt und wohin soll unsere Reise als Gemeinde und Samtgemeinde in der Zukunft gehen! Das Potenzial, das wir als Bürger und Gemeinschaft haben, muss nur aktiviert und zu einer positiven Dynamik und Motor für die Börde Sittensen werden!“


Leuchtturm-Projekt Sportplätze VfL Sittensen


Die Neubauten der Sportanlagen in Sittensen werden im September 2021 fertiggestellt und sind bereits seit der Planungsphase durch ihre Innovationen als Leuchtturmprojekt überregional bekannt. DieSamtgemeinde Sittensen ist Bauherr einer C-Sportanlage mit umlaufender Laufbahn und einer kompletten Leichtathletik-Ausstattung, primär für den Schulsport der Ostetalschule KGS in Sittensen, die ein Sportabitur anbietet. In der Mitte der Anlage entsteht auf Initiative des VfL Sittensen ein Kunstrasenspielfeld, der die Sportanlagen ganzjährig nutzen wird. An der C-Sportanlage angrenzend wird auch das Kleinspielfeld mit Kunstrasen errichtet, bei dem der VfL Bauherr ist.

 

Die Kunstrasenplätze bieten ganzjährig Trainings- und Spielzeiten im Freien, und werden schon lange nicht mehr aus geschreddertem Altgummi hergestellt. Dieser Rasen wird auch im neuen Olympiastadion in Tokio verlegt und entspricht den neuesten technischen und ökologischen Standards. Regenwasser wird über Rinnsysteme abgefiltert, in einen Probenkeller abgefüllt und im Forschungslabor untersucht, eine Messstation wird errichtet, um den Mikroplastikeintrag zu ermitteln. In der kommenden Ausgabe befassen wir uns eingehender mit diesem Projekt.


22 Grundstücke nur für Tister Bürger


Ein gut vier Hektar großes Baugebiet in Tiste, „Im Dorffeld III“, wird momentan erschlossen. Ein Regenrückhaltebecken wird im Rahmen des Entwässerungsplans gebaut und ein ca. drei Meter hoher Lärmschutzwall aus Steingittergeflecht entlang der Bahnstrecke soll errichtet werden. Dann stehen 22 Grundstücke, die zwischen 800 und 1000 Quadratmetern groß sind, zur Vermarktung – das Interesse ist groß. Allerdings sind sämtliche Bauplätze den Tistern vorbehalten – Neubürger können sich hier leider nicht ansiedeln, da der lokale Bedarf riesig ist.


60 Megawatt Solarpark in Tiste?


Erneuerbare Energien sind stark im Wachstum – gerade in unserem ländlichen Bereich – und Tiste soll nun gegenüber der beliebten Moorbahn einen riesigen Solarpark erhalten. Das Bauleitverfahren für ein etwa 70 Fußballfelder großes Gebiet an der Bahn ist eingeleitet und die Gemeinde muss nun über die Änderung des Flächennutzungsplanes beraten. 60 Megawatt soll die Anlage bringen – in etwa so viel wie elf große Windräder. Ein Investor aus Heidenau stellte seine detaillierten Pläne vor und die Mehrheit der Grundstückseigentümer stehen den Plänen wohlwollend gegenüber. Sogar der Netzanschluss der Anlage ist bereits genehmigt und die Anlage soll auch Wasserstoff produzieren.


Es gibt aber auch kritische Stimmen, beispielsweise vom Ratsmitglied Thomas Kannenberg, der in einem offenen Brief Folgendes zu bedenken gibt: „Bei dem im Samtgemeinderat angesprochenen Vorhaben einer PV-Anlage gegenüber der Moorbahn Tiste handelt es sich nicht um eine PV-Anlage im herkömmlichen Sinne. Die Anlage ist mit einem Flächenbedarf von 50 Hektar raumbedeutsam. So ist eine Ausweisung im Regionalen Raumordnungsprogramm, wie auch im Landes-Raumordnungsprogramm, erforderlich. Zusätzlich ist die Änderung des Flächennutzungsplanes (die Ausweisung eines Sondergebietes Solarenergie) zu beantragen. Ich habe gegen die Änderung des FPlanes gestimmt und sehe das Projekt durchaus kritisch. Es ist die Aufgabe eines Mitglieds im Samtgemeinderat, das beste für ALLE Menschen in der Samtgemeinde zu realisieren, Tierschutz und Natur im Auge zu behalten. Hier fehlen detaillierte Informationen zu dem Vorhaben. Grundsätzlich ist PV eine interessante Technologie zur Stromgewinnung. Hier sollten alle Kommunen vorerst einmal prüfen, welche eigenen Flächen z. B. auf Gebäuden zur Verfügung stehen und welche davon sich für eine PV-Anlage (bsp. Bürgersolar) zur Verfügung stellen lassen. (hg)